Berechtigte Einwände

Berechtigte Einwände

Grüner Innenhof

Am 30. September 2022 war ich auf einer Informationsveranstaltung der HOWOGE in Alt- Hohenschönhausen. Auf ihr stellte die Wohnungsbaugesellschaft ihr Neubauvorhaben in der Joachimsthaler Straße vor. Geplant ist in dem vorhandenen Wohnhof entlang der Joachimsthaler Straße als Verdichtung zwei fünfgeschossige Gebäude mit insgesamt 105 Wohnungen zu errichten.

Auf dem ersten Blick eine gute Sache. Landeseigene Wohnungsbaugesellschaften sind in besonderem Maße dazu aufgefordert, bezahlbare Wohnungen zu bauen. Dies gelingt nicht allein durch Neubauten auf freien Grundstücken, da diese rar und teuer sind. Eine wichtige Alternative ist daher der Bau auf eigenen Flächen.

Auf dem zweiten Blick allerdings ergeben sich gerade bei diesem Bauvorhaben ein paar Aspekte, die augenscheinlich bei der Planung meiner Meinung nach zu wenig Berücksichtigung fanden:

Der Innenhof wurde im Laufe der Jahre von den Bewohner*innen liebevoll gestaltet. Große Bäume, die Schatten spenden, großzügige Spielanlagen und in der Mitte des Hofes Mietergärten prägen diese grüne Oase inmitten des Plattenbaugebietes. Setzt die HOWOGE hier in der geplanten Weise ihr Vorhaben um, stehen dann dort die Neubauten, wo heute noch die Mietergärten und viel Grün zu finden sind. Der Hof wäre dann fast zur Hälfte versiegelt, die Aufenthaltsqualität dramatisch gesunken, ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf das Klima. Ebenso steigt mit zunehmender Einwohnerzahl die Verkehrsbelastung in den ohnehin jetzt schon überfüllten kleinen Wohngebietsstraßen.

Kein Wunder, das sich auf der Versammlung massiver Widerstand der Anwohner*innen gegen das Bauvorhaben richtete.

Diese, nicht nur in meinen Augen, berechtigten Bedenken waren wiederum für das Bezirksamt Lichtenberg Anlass, die Baugenehmigung für dieses Projekt zu versagen.

Doch damit ist die „Kuh leider noch nicht vom Eis“, wie es im Volksmund heißt. Die HOWOGE hat in diesem speziellen Fall die Möglichkeit nach § 34 des Baugesetzbuches das Bauvorhaben durchzuführen. Dieser Paragraph sagt aus, dass ein Vorhaben zulässig ist, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist.

Die Wohnungsbaugesellschaft hat deshalb bei der zuständigen Stelle des Senats Widerspruch gegen die Entscheidung des Bezirksamtes eingelegt.

Nun wird hier abschließend darüber befunden. Ich kann nur hoffen, dass die berechtigten Einwände der Bürger ebenso Gehör finden.

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Dirk Liebe

Liebe trat 1990 als Tischlerlehrling in die SPD ein. Er ist stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD Lichtenberg. Von 2006 bis 2016 war er Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Lichtenberg. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2021 kandidierte er im Wahlkreis Lichtenberg. Er zog über Platz 3 der Bezirksliste Lichtenberg seiner Partei ins Abgeordnetenhaus ein und ist dort sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion und Mitglied im Hauptausschuss.

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