Zwischen Plattenbau und Kleinstadtidyll

Was für ein Luxus, wir in Hohenschönhausen haben gleich zwei Seen zur Auswahl: den Oranke- und den Obersee – beide mit sehr unterschiedlichen Eigenheiten und Vorzügen, eine Wahl zu treffen, fällt nicht leicht. Da ist der Orankesee: ein typischer Berliner Badesee wie der nahe Weiße See. Der Theaterdirektor Wilhelm Heiden-Heinrich hatte 1929 die Idee, am nordöstlichen Ufer Sand aufschütten zu lassen, Umkleidekabinen aufzustellen und Eintritt zu nehmen. Nur kurze Zeit später eröffnete nebenan ein Ausflugslokal: die Orankesee Terrassen. Das wurde zwar im Krieg zerstört, ist inzwischen aber wieder aufgebaut und lockt besonders am Sommerwochenenden Scharen von Besuchern. Dass der Orankesee trotz all des Trubels auch noch ein fischreicher Grund ist, mag man eigentlich kaum glauben, und doch sollen hier Graskarpfen, Gründling, Plötze, Rotfeder und viele mehr durch die Fluten tauchen. Und mag man den alten Sagen glauben, dann hat hier auch eine königliche Hoheit ihre private Adresse: Angeblich lockt die untreue Prinzessin und Meerjungfrau Oranke junge Männer in Vollmondnächten zum Seegrund.

Villenviertel im Osten

Ganz anders der Obersee nebenan: Während das Nordufer fast vollständig mit Villen und Mehrfamilienhäusern umstanden ist, grenzt im Süden ein hübscher kleiner Park an das Gewässer. Als Landmarke wacht ein alter Wasserturm über diesen Teil, bei schönem Wetter bietet eine Bar Drinks und Snacks auf der kleinen Terrasse davor an; man kann aber auch reingehen und im Turm seinen Geburtstag, Hochzeitstag oder einfach das Bergfest feiern. Schauen wir uns noch kurz am Nordufer um: Dort steht ein kleiner Flachbau, den einst der weltberühmte Architekt Ludwig Mies van der Rohe entworfen hat. Genau, der von der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum. Im kleinen Bungalow mit herrlichem Seegrundstück warten wechselnde Ausstellungen von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr auf die Besucher. Der Eintritt ist frei.